Vortrag über die Ära Kossenhaschen und die Nachkriegszeit auf der Burg Creuzburg

Ende Oktober hatte der Burg- und Heimatverein Creuzburg e.V. zu einem Vortrag im Festsaal der Creuzburg eingeladen. Dieser Einladung sind auch etwa 20 interessierte Vereinsmitglieder, aber auch interessierte Bürger der Stadt gefolgt. Unsere Vereinsmitglieder Karl-Heinz Michel und Klaus Martin haben diesen Vortrag vorbereitet, der sich an die bisherige Vortragsreihe zum 850. Jubiläum der Creuzburg anschließt.

Nachdem unser Klaus Martin die Gäste der Burg begrüßt hatte, begann Karl-Heinz Michel mit seinen Ausführungen, wobei er noch die eine oder andere Ergänzung mit beisteuerte.

Ausgehend von der Errichtung der Creuzburg als Landgrafenburg im Jahre 1170 spannte er den Bogen über die Nutzung der Burg als Amtssitz bis zur privaten Nutzung der Burg ab 1898 durch den Kommerzienrat Nikolaus von Dreyse, einem Enkel des Nikolaus von Dreyse, dem Erfinder des Zündnadelgewehres. Dieser hatte zuvor auch schon die Creuzburger Saline erworben.

Im Jahr 1921 erwarb der sehr erfolgreiche Hotelier Georg Kossenhaschen die Creuzburg. Kossenhaschen hatte Anteile an Hotels in Berlin, Erfurt, Gotha, Chemnitz, Magdeburg und Frankfurt/M sowie an einer Marmeladenfabrik in Langensalza. In Erfurt gehörte ihm auch eine Weinhandlung. Neben dem „Erfurter Hof“ ließ er das Luxushotel „Haus Kossenhaschen“ errichten.

Die Burg war zu dieser Zeit leer und halb verfallen. Der Architekt Bodo Ebhardt aus Berlin erstellte ihm 1922 ein Gutachten für bauliche Veränderungen der Burg und regte auch die Anlage eines Gartens an. Die Instandsetzung erfolgte dann durch den Erfurter Architekt Hügel, der Aufträge an viele heimische Firmen vergab. Die Ausmalung der Räume und Anfertigung von Gemälden zur Landgrafenzeit erfolgte durch den Leipziger Alfred Wimmer. So wurde unter anderem die Einrichtung des Zwischenbaus als Rittersaal und Bibliothek, die Neugestaltung der Elisabeth- Kemenate und die Gestaltung des barocken Gartens in Angriff genommen. Auch die Putten im Park wurden zu dieser Zeit angeschafft.

Georg Kossenhaschen war ein sehr umgänglicher Mensch mit sozialem Engagement. Die Burg und der Park standen für Besucher offen. Einmal im Jahr gab es ein Kinderfest und auch Seniorentreffen. Er gründete eine Stiftung für hilfsbedürftige Einwohner von Creuzburg und eine zweite Stiftung für eine Volksbibliothek. Zu seinem 60. Geburtstag wurde ihm dafür die Ehrenbürgerschaft der Stadt Creuzburg verliehen. Er ging aber auch dem Hochstapler Harry Domela auf dem Leim, dessen Geschichte „Vom falschen Prinz“ in einem gesonderten Vortrag behandelt wurde. Anfang April 1931 verstarb Georg Kossenhaschen an einem Nierenleiden in Magdeburg. Er wurde jedoch in Erfurt beerdigt, Die für ihn ursprünglich vorgesehene Gruft unterhalb vom Wisch wurde nie fertiggestellt.

Im Juli 1932 heiratete Albert Schäfermeier die junge Witwe Marie-Luise Kossenhaschen und durfte sich ab 1933 Schäfermeier-Kossenhaschen nennen. 1937 wurde Sohn Joachim Schäfermeier-Kossenhaschen geboren.

Die Stadt Creuzburg wurde am 01. April 1945 durch die vorrückenden alliierten Truppen und der Gegenwehr der Wehrmacht zu 70 – 80% zerstört. Nach dem Krieg wurde die Firma Kossenhaschen und auch die Creuzburg enteignet (Datum der Enteignungsurkunde 01.06.1948 in sowjetischer Besatzungszeit). Schäfermeier-Kossenhaschen kam im April 1946 in Haft und wurde vom sowjetischen Militärtribunal in Weimar zu 10 Jahren Strafarbeitslager mit Eigentumsbeschlagnahme verurteilt. Erst im Januar 1954 wurde er entlassen und starb schwer erkrankt drei Jahre nach der Entlassung.

Nach dem Krieg wurde die Burg unterschiedlich genutzt. Zuerst als Unterkunft für Armeeangehörige, erst Amerikaner, dann sowjetische Armeeangehörige bis 1947.

Bis 1961 wohnten drei Familien im gelben Haus. Von 1946 bis 1951 war hier ein Kindergarten mit ca. 40 Kindern und von 1951 bis 1955 ein Kinderferienlager der Deutschen Reichsbahn und anschließend bis 1961 ein Ferienlager der Solvay-AG.

1964 bis 1974 diente die Burg als Schule für die Klassen 1 – 4. Zwischenzeitlich wurde die Burg auch von der Kampfgruppe, dem Stab der Grenztruppen und vom Jugendclub der FDJ genutzt. Ab 1975 war hier auch die Wohnung des Burgverwalters Rothe. Die folgende Zeit zur Rettung der Creuzburg haben wir schon in einem Vortrag von Lea Ruppert zum 40. Jahrestag zur Gründung der Interessengemeinschaft „Die Creuzburg“ gehört.

Der Vortrag war mit sehr viel Bildmaterial belegt. Besonderes Interesse fand ein Bild vom Kindergarten, bei dem von den Anwesenden gerätselt wurde, wann diese Aufnahme entstanden ist und wer da als Vorschulkind dabei war. Wenn unsere Leser hier eventuell ihre Eltern oder ihre Verwandten erkennen, möchten sie sich doch bitte bei einem der beiden Veranstalter melden.

Als Verein möchten wir uns bei Karl-Heinz Michel und Klaus Martin für ihre vielen Stunden der Vorbereitung recht herzlich bedanken.

 Vorstand des Burg- und Heimatvereins Creuzburg/Werra e.V.

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