2020: 850 jähriges Jubiläum der Creuzburg

Die 850- jährige Creuzburg empfängt seit eh und je ihre Gäste, 1926 auch einen falschen Prinzen

Den angekündigten Einstiegsvortrag über ausgewählte Gäste, die sich im Laufe der Zeit auf der Creuzburg aufgehalten haben, hielt Gästeführerin und Vereinsmitglied Heidi Kühnel in den Räumlichkeiten der Burg. Das historische Ambiente passte sehr gut, denn in den 1920er Jahren war es Mode, Soireen im sogenannten Salon zu halten, abends zusammen zu kommen, um sich einem gesellschaftlichen oder künstlerischen Thema zu widmen, zu plaudern, dabei einen guten Wein genießend. An dieser Mode angelehnt verlief auch dieser Vortragsabend.

Die beiden gewählten Räume, der Fest- und der Rittersaal, im letzteren steht ein sehr schöner Rokoko- Ofen, wären hervorragend für eine Soiree geeignet gewesen.

Als Thema des Abends hatte Heidi Kühnel einen jungen Mann auserwählt, den  der damalige Burgherr,  Kommerzienrat Georg Kossenhaschen, auf seinen Creuzburger Landsitz eingeladen hatte. Als die beiden Herren das Tor der Burg passierten, ahnte wohl keiner, dass der Gast der „größte Medienstar“ seiner Zeit sein und das Thomas Mann ihm „einige Unsterblichkeit“ vorhersagen würde.

Wer mag der Medienstar sein? Kennt man ihn heute noch? Solche Fragen stellte sich mancher Zuhörer. Der Gast ein etwa Zwanzigjähriger, charmant, redegewandt, ein interessanter Gesprächspartner, sympathisch.

Was sich dem aufmerksamen Zuhörern im Verlaufe des Vortrages erschloss, war das turbulente Leben des Baltendeutschen Harry Domela (geboren 1904 oder 05 in Livland, gestorben in den 1970er Jahren an unbekanntem Ort in Venezuela), der die Rolle des Prinzen von Preußen so brillant spielte, dass die adelige und großbürgerliche Gesellschaft seine Hochstapelei nicht durchschaute, sondern den Kaiserenkel verehrte und umschwärmte, Kossenhaschen eingeschlossen.

Die Zuhörer jedenfalls folgten dem falschen Prinzen durch alle Herren Länder bis nach Amerika, erlebten ihn in seinen verschiedensten Rollen, als Schauspieler und Buchautor, als sehr reichen Herren und bettelarmen Obdachlosen, als Kinobesitzer, Flüchtling, Spanienkämpfer, Gefängnisinsassen und Staatenlosen.

Seine Rolle als Hohenzollernprinz spielte Harry Domela nur wenige Wochen. Ausgerechnet auf der Creuzburg war er richtig in Schwung gekommen.

Ob Thomas Manns Voraussage stimmt, darf man bezweifeln, aber den Zuhörern  – auch  aus Ifta und Krauthausen waren Gäste gekommen – wurde er bekannt oder wieder in Erinnerung gebracht.

Das Publikum dankte der Referentin Heidi Kühnel mit viel Applaus und Lob für den gut recherchierten und lebendigen Vortrag, der alle bis zum letzten Wort gefesselt hat. Eine Geldspende von fast 50 Euro wurde dem Burg- und Heimatverein e.V. übergeben. Eine gelungene Veranstaltung!

Auf die folgenden Vorträge dürfen wir gespannt sein.

Der Burg- und Heimatverein Creuzburg e.V.

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